Studienfahrt mit Erlebnisgarantie

Durch unsere Vorgänger und den Erzählungen unserer Klassenlehrer Volker Müller und Olaf Götz sind wir neugierig geworden und wollten Neuwerk selbst einmal miterleben. Ist Neuwerk das beliebteste Reiseziel der angehenden Verwaltungsfachangestellten?

Um diese Frage beantworten zu können machten wir, die Klasse VO3 des Klaus-Steilmann-Berufskollegs, bestehend aus 11 Verwaltungsfachangestellten der Städte Bochum, Herne und Hattingen, zusammen mit unseren Klassenlehrern am 04.09.2019 auf den Weg nach Neuwerk.

Unsere Reise begann bereits um 05:00 Uhr am Hauptbahnhof in Bochum, zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was uns erwarten würde.

Mit rund 30 Bewohnern und nur drei Quadratkilometern Fläche liegt die Insel Neuwerk im Wattenmeer rund zehn Kilometer nordwestlich von Cuxhaven entfernt. Bei klarer Sicht kann man die Insel vom Festland aus gut erkennen. Seit 1299 gehört die Insel Neuwerk zur Hansestadt Hamburg.

In Cuxhaven angekommen, begann das Abenteuer ‚Insel‘ erst richtig.

Die Gezeiten bestimmen den Rhythmus der Insel, aufgrund dessen nutzten wir für die Hinfahrt die tägliche Schiffverbindung durch die Reederei Cassen Eils mit dem Schiff „Flipper“. Zusätzlich beladen war das Schiff  „Flipper“ mit unserer Verpflegung vom Festland, welches wir im Vorfeld organisiert hatten, da auf Neuwerk die Einkaufsmöglichkeiten mit nur einen Inselkaufmann beschränkt sind. Die Seefahrt hatten wir gut überstanden. Endlich in Neuwerk angekommen, ging unsere erste Wanderung vom Anleger des Schiffes zum Schullandheim.

Das Schullandheim  liegt neben dem ersten und ältesten Bauwerk auf der Insel. Der Leuchtturm von Neuwerk, das Wahrzeichen der Insel mit einer Höhe von 45 Meter, von dem die Besucher einen weiten Blick über die Insel und bis zum Festland durch die Aussichtsplattform haben.

Die erste Besichtigung im Schullandheim war positiv, alle mussten von Beginn an mit anpacken und die anfallenden Arbeiten wie Kochen, Spülen und Aufräumen wurden gleichmäßig zwischen uns aufgeteilt. Der Anreisetag verging schnell. Müde und erschöpft ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

An unserem zweiten Tag auf Neuwerk erkundeten wir die Insel mit einer Wanderung. Unter anderem besuchten wir die Nationalpark-Station. Der Nationalpark wurde 1990 eingerichtet. Vor Ort bieten dessen Mitarbeiter, sowie Mitglieder des Vereins Jordsand Insel- und Wattführungen, Vogelbeobachtungen und Exkursionen an. Durch die schlechte Witterung mussten wir die geplante Wattwanderung auf den nächsten Tag verlegen.

Am Freitag traten wir dann die bereits vom Vortag geplante Wattwanderung, geführt vom

Nationalparkleiter an. Aufgrund des hohen Wasserstandes in den umliegenden Prielen konnten wir die Nachbarinseln Scharhörn und Nigehörn nicht erkunden, dafür lernten wir vieles rund um das Wattenmeer kennen.

Anschließend besuchten wir die Stackmeisterei auf Neuwerk. Der Stackmeisterei-Leiter  der Insel, Philipp Krüger von der Hamburg Port Authority AöR (HPA),  die der größte Arbeitgeber auf Neuwerk ist, berichtete über die vielfältigen Arbeiten auf der Insel.

Seine Arbeit verbindet sich mit der Verwaltung indem er, abgesehen von hoheitlichen Aufgaben, alle Verwaltungsaufgaben wahrnimmt (Personalplanung, Budgetplanung etc.). Er und sein Team, welches aus rund zwölf Mann besteht, sind als Mitarbeiter der HPA für alle öffentlichen Belange wie z.B. Trinkwasserversorgung, Kläranlage, Deichschutz und Wegepflege auf Neuwerk zuständig. Jährlich stehen für diese Arbeiten und die dafür benötigten Anschaffungen ein bestimmtes Budget von ca. 6 – 8 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Mitarbeiter leben und arbeiten rund zehn Tage auf Neuwerk. Anschließend haben sie vier Tage frei und verbringen diese Zeit auf dem Festland bei ihren Familien und Freunden. Die Kosten der Unterkunft, einer warmen Mahlzeit am Tag und der Überfahrt an freien Tagen übernimmt die Stadt Hamburg.

Jeder Mitarbeiter hat mindestens zwei fachliche „Spezialgebiete“ in der Stackmeisterei, sodass eine Vertretung immer vorhanden ist. Grundsätzlich zählt bei ihnen das Motto „Es wird immer dort mit angepackt, wo Hilfe gebraucht wird“.

Die „Feuerwehr“  auf Neuwerk besteht aus einigen freiwilligen Anwohnern und auch Stackmeisterei-Mitarbeitern. Dennoch haben die Anwohner der Insel Unterstützung durch die Wasserschutzpolizei und Helikopter, die innerhalb von 10 Minuten auf der Insel sind. Für kleinere Arztbesuche, die nicht lebensnotwendig sind, müssen die Bewohner der Insel auf das Festland fahren.

Aufgrund der unsicheren Wetterlage haben wir bereits Freitagabend beschlossen, unsere Reise evtl. früher zu beenden. Eine Heimkehr in der Nacht von Sonntag auf Montag wollten wir dann doch nicht riskieren.

Der Samstag kam überraschend schnell, neben der Endreinigung des Schullandheimes regelte Herr Müller unseren Transport von der Insel nach Cuxhaven. Das letzte Abenteuer erwartete uns – mit dem Pferdewagen durchs Watt. Mit hohen, gelben Wagen und  rund neun Sitzplätzen zogen Pferde uns über einen markierten Weg rund eine Stunde durch das Watt.  Dabei tauchten die Kutschen in den Prielen so tief ein, dass der Boden der Kutsche schon überspült war. Am nächsten Tag wären wir möglicherweise mit den Kutschen gar nicht mehr von der Insel weggekommen, weil trotz Ebbe noch sehr viel Wasser in den Prielen stand.

Nach einer erneuten langen Bahnfahrt mit mehreren Umstiegen kamen wir schließlich um 20:15 Uhr in Bochum an.

Neuwerk war die Reise wert. Die Inselverwaltung sowie das Teambuilding werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Und vielleicht stimmt es wirklich, dass Neuwerk als Studienfahrtsziel das neue „Mallorca“ der VFAs ist.

Text: Janine Roussel (Stadtverwaltung Bochum/VO3)

Fotos: Volker Müller, Torben Tschauder, Lara Schneider