Klaus-Steilmann-Berufskolleg, Bochum

Am Dienstag, den 05.12.2017, versammelten sich am Bochumer Hauptbahnhof (fast) alle Schülerinnen und Schüler der beiden Steuerfachangestellten-Mittelstufen des Klaus-Steilmann-Berufskollegs, um zum gemeinsamen Besuch des Finanzgerichts in Münster aufzubrechen. Kurz vor der Abfahrtszeit kam dann auch der letzte Schüler auf der Liste. Pünktlich ging es dann mit dem Zug los in Richtung Münster.

Dort angekommen musste die Gruppe noch einen Fußmarsch bewältigen, welcher einige Gruppenmitglieder an die körperlichen und mentalen Grenzen brachte – schließlich ist ein 20-minütiger, zügiger Gang für Steuerfachangestellte nichts Alltägliches. Jedoch kamen alle wohlbehalten und ohne die Notwendigkeit eines Notarztes nach und nach vor dem Gebäude des Finanzgerichts an und nachdem endlich alle da waren, ging es hinein. Ein freundlicher Mitarbeiter des Finanzgerichts empfing die Gruppe im Eingangsbereich und klärte über die Verhaltensweisen im Gerichts-saal auf: die Smartphones sollten ausgeschaltet werden – wie in der Schule also! Nun ging es nach oben, fünf Stockwerke hoch, oder waren es doch sechs? Leise Stimmen mit der Frage nach einem Aufzug waren zu vernehmen. Keine leichte Aufgabe also, denn schließlich ist das Überwinden von fünf bis sechs Etagen nichts Alltägliches für Steuerfachangestellte. Manche suchten mit Hilfe ihrer Smartphones scheinbar eine alternative Route zum Gerichtssaal. Oben angekommen machte sich Erleichterung breit – mit dem Wissen, dass es ja nach unten viel leichter gehen würde. Die Gruppe wurde sodann in den Gerichtssaal geleitet, welcher eigentlich aussah wie ein ganz normaler Raum. Zwei Fälle sollten am heutigen Tag verhandelt werden. Die Gruppe nahm Platz und wartete zusammen mit den Vertretern der Anklage und der Finanzverwaltung auf das Gericht. Die Anklage vertrat sich selber in Form eines älteren Ehepaares, welches durch verschiedene unglückliche Begebenheiten in eine sehr missliche und existenzbedrohende Lage gekommen war. Man sah dem Gericht an, dass dieser Fall sie nicht kalt ließ, dass ihnen aber von Gesetzeswegen her die Hände gebunden waren und die Klage zu Ungunsten des Ehepaares abgewiesen wurde. Nachdem die Eheleute den Saal verlassen hatten, konnte man dem Gerichtsvorsitzenden Fragen zu dem Fall stellen – das war eine Überraschung! Kurze Zeit später betraten die Beteiligten des zweiten Falls den Saal. Gegenstand war eine Betriebsprüfung, welche beim Steuerpflichtigen stattfinden sollte. Jedoch war der den Steuerpflichtigen vertretenden Steuerberater der Auffassung, dass eine Prüfung in den Räumlichkeiten seines Mandanten nicht durchführbar sei. Und dann ging es hin und her, und wieder hin, und wieder her. Bis man zu zwei Ergebnissen kam: zum einen kann die Betriebsprüfung ohne großen Aufwand im Büro des Steuerberaters durchgeführt werden. Zum anderen hätte ein Telefonat oder ein formloser schriftlicher Antrag gereicht, sodass man sich das Gerichtsverfahren hätte sparen können. Auch hier konnten im Anschluss wieder Fragen gestellt werden, allerdings sind hier keine Fragen offen geblieben.

Die verbleibende Zeit bis zur Rückfahrt verbrachte man noch auf dem Weihnachtsmarkt in Münster, bevor es dann sichtlich erschöpft von den körperlichen Strapazen wieder zurück nach Bochum ging.

C. Lehnen