„Sitzen ist das neue Rauchen“ – Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs „Jugend will sich-er-leben“ am KSBK

„Jugend will sich er-leben“ – so heißt der alljährliche Wettbewerb der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), die mit der Aktion Jugendliche und junge Erwachsene an den Berufskollegs für Themen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sensibilisieren möchte. Das gelingt recht gut: Alleine in diesem Jahr nahmen über 53.000 Schülerinnen und Schüler aus mehr als 90 Berufskollegs an dem Wettbewerb zum Motto „Zukunfts-Zone – Dein Rücken. Dein Leben“ teil.

Soviel Engagement muss gewürdigt werden.
Dass die Abschlussveranstaltung des renommierten Gesundheitswett- bewerbes am Klaus-Steilmann-Berufskolleg stattfand, war kein Zufall, denn das Berufskolleg in Bochum-Wattenscheid engagiert sich seit langem im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung. Neben den Preisträgern des Wettbewerbs kam auch Sylvia Löhrmann, Schulministerin des Landes NRW, und unterstrich so noch einmal den Stellenwert der Aktion.

Löhrmann übernahm aber nicht nur die feierliche Preisverleihung in verschiedenen Kategorien, sondern war auch aktive Teilnehmerin der Diskussionsrunde zum Thema „Rücken und Gesundheit“. Diese wurde von Prof. Dr. Sven Dieterich von der Hochschule für Gesundheit in Bochum geleitet. Dabei wurde vor allem eins deutlich: Diskussionen mussten überhaupt nicht stattfinden; vielmehr herrschte bei allen fünf Teilnehmern Einigkeit darüber, dass es in der heutigen, von vielfachen Belastungen geprägten Zeit kaum etwas Wichtigeres gibt, als seine Gesundheit zu fördern – und das möglichst früh.

„Rückengesundheit beginnt in der Schule; regelmäßige Bewegung im Sportunterricht, in Ganztagsangeboten und Schul-AGs stärkt die Gesundheit“, stellte Löhrmann heraus, gab aber auch zu, dass es manchmal trotz bester Intentionen nicht ganz so leicht sei, sich jeden Tag an das selbst verordnete Übungsregime zur Stärkung des Rückens zu halten. Der schulische Sportunterricht sei ein guter Anfang, meinte Torsten Glumm, Studienrat und Sportlehrer am Klaus-Steilmann-Berufskolleg. Aber sportliche Aktivitäten müssten fest in den Alltag integriert werden, um nachhaltig einen positiven Effekt zu erzielen. Gabriele Pappai, Landesdirektorin des Landesverbandes West der DGUV, erzählte, dass die Gesetzliche Unfallversicherung mit gutem Beispiel voranginge und ihren Mitarbeitern einen ‚Rücken-gerechten‘ Arbeitsplatz anbiete. Außerdem mache sie mit ihren Kollegen regelmäßig eine fünfzehnminütige „Wirbelsäulenpause“ mit entsprechenden Übungen. „So viel Zeit muss immer sein“, fand Pappai und nannte in diesem Zusammenhang einen Spruch, der zur Zeit in Bezug auf Rückengesundheit immer öfter fällt: „Sitzen ist das neue Rauchen.“

Bewusstsein für Gesundheit zu schaffen sei wichtig, betonte auch Bochums Bürgermeisterin Erika Stahl. Deshalb sei sie ganz besonders stolz, dass diese Veranstaltung in Bochum stattfinde. Friederike Pyka, Schülerin der Klasse AM 3, hat in ihrer Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten sehr viel mit Menschen zu tun, die schwerwiegende Rückenprobleme haben. Dabei falle auf, dass die Patienten immer jünger werden. „Die jungen Leute bewegen sich einfach viel zu wenig, sitzen zu viel vor dem PC“, schlussfolgerte Pyka. Sie selbst kann das von sich nicht behaupten und betreibt mehr als fünf Sportarten regelmäßig.

Insgesamt war die knapp zweistündige Abschlussveranstaltung äußerst kurzweilig und abwechslungsreich. Dafür hatten die Schülerinnen und Schüler des Klaus-Steilmann-Berufskollegs durch zahlreiche Wort-, Tanz- und Musikeinlagen gesorgt. Haltungswächter sorgten immer wieder in den Pausen für sportliche Abwechslung. Besonders der Ausdruckstanz von Saskia Fischer aus der HBA zu Beginn faszinierte, ebenso wie die ansprechende musikalische Unterhaltung durch ein Mitglied der Band Miraboom, was bereits im Vorfeld für jede Menge gute Stimmung sorgte. Auch die Klassen der Medizinischen Fachangestellten AU2 und AM3 sowie die HU1 schufen mit ihren Beiträgen „Gänsehautfeeling“. Marvin und Louisa aus der HBA moderierten in einer Weise als hätten sie bisher nichts anderes getan. Das hätte kaum jemand von Klassen eines kaufmännischen Berufskollegs erwartet.

Schulleiterin Maria Anna Reen war dann am Ende auch mächtig stolz auf die Schülerinnen und Schüler ‚ihres‘ Berufskollegs.

Vor allem aber hat die Veranstaltung eins erreicht: Die Wichtigkeit eines gesunden Rückens ins Bewusstsein zu rufen.

Text: Silke Milpauer, KSBK

Fotos: DGUV/Frauke Schumann, KSBK/Volker Müller